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Wer hat Angst vor Nick Drake?

Sie zogen los, um den "Falco-Fluch" zu brechen. Die Vienna Songwriting Association (VSA) will der ansässigen Pop und Folkszene die längst ausständige unabhängige Plattform bieten. Gründer Daniel Mölksmith über Björk-Format Gustav: "In Paris oder London wäre sie längst ein Star."

von Denise Riedlinger


Kennen sie Clara Humpel? Die Sängerin von Alalie Lilt gilt als größter Geheimtipp in der heimischen Singer/Songwriter Szene. Und ist damit auf das Stille-Post-System angewiesen. Denn Plattenverträge und Werbekampagnen für Popacts sind in Österreich ungefähr so häufig geworden wie milde Sommertage.

Der Anfang

Es war im Jahr 2004, als vier Musikliebhaber beschlossen, ein Konzert anlässlich des 30. Todestages des britischen Songwriters Nick Drake zu organisieren. Die Musikjournalisten Jenny Blochberger und Klaus Totzler, der vom harten Pflaster New Yorks geflüchtete Singer/Songwriter Daniel Mölksmith und Promoterin Eva Woska-Nimmervoll stampften das Konzert mit zahlreichen Bands buchstäblich aus dem Boden. Und dazu gründeten sie der Einfachheit halber einen Verein.

Was sich Mölksmith ursprünglich als Vehikel für seine eigene Musik - dunkel-schummrige Songs mit wunderschönen Streicher-Arrangements - dachte, bekam ein Eigenleben. Jeden Monat gibt es VSA-Abende im Gasthaus Vorstadt, das dreitätige Bluebird-Festival präsentierte im November Bands aus Europa und den USA. "Ich träume von einem einwöchigen Festival in ganz Wien", meint Mölksmith.

Keine Musik im Radio

"Keiner kann doch im Ernst glauben, dass Shows wie Starmania irgendetwas mit Musik zu tun haben." Daniel Mölksmith hat längst aufgehört, auf einen Plattenvertrag zu warten. Für Songwriter gibt es im Musikgeschäft immer weniger Lücken. Früher war das anders. Mölksmith, der den frühen Wolfgang Ambros als großes Songwriter-Talent lobt, schildert seine ersten Eindrücke: "Als ich nach Wien kam, bin ich rasch auf das gestoßen, was ich den Falco-Fluch nenne. Das erste, was ich von den Plattenfirmen zu hören bekam war: Niemand war je so groß wie Falco, und seit Falco ist in Österreich nichts mehr Interessantes passiert."

Das Selbstbewusstsein talentierter Bands und Heimstudio-Produzenten hält sich nicht umsonst in Grenzen. Jeder weiß, in der Alpenrepublik gibt es vielleicht eine Handvoll Menschen, die Künstler wirklich fördern wollen. Einer, der sowohl von Mölksmith als auch von Pop-Chamäleon Hans Platzgumer als echter Fels in der Brandung genannt wird, ist Chris Gelbmann (Buntspecht-Records). Ein anderer ist Walter Gröbchen (Monkey-Music). Dann kommt lange nichts. Außer der Vienna Songwriting Association.

Garish und Gustav


Kein Airplay, keine Plattenverkäufe. Nehmen wir einmal an, es gäbe für wirklich talentierte Musiker Unterstützung. Dann müsste man völlig umdenken. Denn der Austropop ist alles andere als tot. Wir würden einfach wieder in einer Welt leben, in der Songs aus dem Radio kommen. Etwa von Amadeus-Preisträgerin Gustav. Bei der VSA bereits Stammgast ist der Grazer Georg Altziebler, der unter dem Namen Son of the Velvet Rat auftritt. Er wird gemeinsam mit der Sängerin Margret Galler am 2. März in der Vorstadt zu hören sein. Die eingangs erwähnte Sängerin und Gitarristin Clara Humpel bereitet ihre Solo-Karriere vor, die sie als Clara Luzia starten wird. Auch die burgenländischen Rocker Garish oder der Liedermacher Ben Martin sind zu erwähnen.

Den Boden bereiten

Die Wirklichkeit für Musiker lässt sich auf eine weitere Drei-Buchstaben-Formel reduzieren: DIY - Do It Yourself. Mölksmith meint im Gespräch mit wienweb.at nüchtern: "Die Zeiten, als Superstars in Schlössern gewohnt haben, sind vorbei. Als Künstler sollte man heute darüber froh sein, seine Miete bezahlen und ein wenig ausgehen zu können. Genug zu essen haben und ab und zu eine Platte heraus bringen, das ist das meiste, was man erwarten kann. Und man sollte sich verdammt darüber freuen, das alles zu haben."

Die VSA schließt eine Lücke in der heimischen Grass Roots-Szene. Während es für Jazz und Elektronik reichlich Locations gibt, sind für Pop wenig Veranstaltungsorte zu bekommen. Von Wien aus wollen Blochberger und Kollegen die Hand ausstrecken. Schritt für Schritt soll eine Infrastruktur geschaffen werden, um in - und ausländische Bands auf Österreich-Tour schicken zu können. Mit fairen Gagen und einer menschenwürdigen Behandlung. Dass die großen Labels die gute Musik umbringen, ist ein globales Problem. Aber den Underground wird es immer geben.

 

www.wienweb.at

 



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